FELV = Feline Leukemia Virus

Feline Leukemia Virus)


Eine in der Katzenpopulation weitverbreitete Retrovirus-Infektion, die zu einer Immunsuppression führt, aufgrund derer das Tier an einer anderen Infektion zu Grunde geht. 12 - 33% der Katzenpopulation sind mit FeLV und FIV gleichzeitig infiziert, und so stark immunsupprimiert. Eine Sonderform dieser Erkrankung ist FeLV-AIDS.

Infizierte Zellen produzieren ein bei FeLV-Infektion synthetisiertes spezifisches Antigen, FOCMA (feline oncornavirus
membrane antigen), das hochimmunogen ist. Dieses Antigen ist im Katzengenom als endogenes retrovirales Gen angelegt
und wird bei Infektion mit FeLV oder FeSV exprimiert. Zum Leidwesen der Diagnostiker wird FOCMA aber auch bei
einigen felinen Lymphosarkomen festgestellt, ohne daß diese Tiere mit FeLV infiziert sind.

FeLViren können in exo- und endogene eingeteilt werden. Die Typisierung in endo-/exogen bezieht sich auf die Tatsache,
daß die mit exogen bezeichneten Retroviren alle Information in ihrem Genom gespeichert haben, die zum vollständigen
Replikations- und Infektionszyklus benötigt werden. Daher sind diese pathogen, die anderen wahrscheinlich nicht.

FeLV kann serologisch in 3 Gruppen eingeteilt werden:


A - am weitesten verbreitet, kann nur in felinen Kulturzellinien gezüchtet werden; nur Typ A ist infektiös.
B - wenn Typ A sich mit endogenen retroviralen Sequenzen aus dem Katzengenom "verbessert"; Kommt bei 30 - 40% der Katzen vor und hat einen Hang zur Tumorbildung.
C - kommt bei 1% der Katzen vor und ensteht aus einer Mutation von Typ A an einem Envelope-Gen.
Typ C läßt sich auch in Zellinien von Mensch, Hund und Schwein züchten. Es ist stärker suppressiv
für das Knochenmark als Typ A.
Übertragung
Das FeLV wird über Tränen und Speichel, möglicherweise auch über Urin und Fäces ausgeschieden.

Da das Virus sehr schnell durch Wärme und Trockenheit abstirbt, muß es einen direkten Kontakt zur Übertragung geben.

Außerden wird FeLV intrauterin übertragen, was zum Frühtod mit Resorption, Abort oder zu persistierend infizierten
Jungkatzen führt.

Infiziert sich eine Jungkatze bis 12 Wochen mit FeLV, bleibt sie meist persisitierend infiziert. Ältere können bei niedriger Infektionsdosis eine Immunität aufbauen.


Pathogenese
- Primäre Virusvermehrung im Tonsillarbereich,

- Virämie

dann entweder

 persistierende Virämie
 Virus-Eliminierung
 Latenz (bei Knochenmark-Infektion),
auf alle Fälle aber eine Immunsuppression.

Das Ak-Virus-Verhältnis scheint einen Einfluß auf die Pathogenese zu haben. Bilden sich schnell Ak's gegen FOCMA
und war nur wenig Virus vorhanden, kann eine Infektion begrenzt (eliminiert???) werden. Ansonsten kommt es über eine
weitere Virämie zur Ausbreitung in Organe und zu Tumoren.

Klinik
Inkubationszeit: 2 Monate bis zu mehreren Jahren. Normalerweise 1 - 2 Jahre.

Je nach Ausbildung der Immunität kommt es früher oder später zu klinischen Symptomen.

Da die Symptome von FeLV sehr breit über alle schweren chronischen Erkrankungen gestreut sind, muß man
immer an diese Infektion denken. Von Gewichtsverlust über Anämie, Diarrhoe, Atemnot, blutigem Kot, Müdigkeit,
Abort bis Panleukopenie ähnlicher Symptomatik. Außerdem kann auch Krebs ausgelöst werden. Jungkatzen zeigen
häufig ein "wasting syndrome" mit Thymusathrophie und wiederkehrenden Infektionen.

               Hautform


Eine positive, erkrankte Katze kann zwar noch Monate leben, meistens erliegt sie jedoch innerhalb von Wochen der
Erkrankung.

Ca. 20% der infizierten Katzen entwickelt Tumore, die anderen sind "nur" immunsupprimiert.
Die Tumoren sind Lymphosarkome (T-Zell-Neoplasma), Retikulumzell-Sarkome, Erytroleukämie und Granulozyten-
Leukämie.

         Tumor der Darmlymphknoten

Die meisten Katzen bilden nach Infektion FOCMA.  Ursprünglich hielt man dies für einen Tumormarker FeLV-infizierter
Zellen. Katzen, die keine neutralisierenden AK's bilden und so virämisch bleiben, bilden 80% AK's gegen FOCMA, was
die Tumorgenese kontrolliert, nicht aber die Virämie und die degenerativen Prozesse.
Die restlichen 20 % bilden Tumoren aus.

60% der Katzen bilden eine protektive Immunität aus und werden nicht virämisch.

10% der virämischen Katzen werden spontan gesund.

Der Rest ist persistent infiziert und wird im Laufe von 4 Jahren zu Grunde gehen, persistent virämische schon nach ca. 6 Monaten.

  

Diagnose
Standard ist Antigennachweis aus Speichel mittels ELISA.

Nachweis von FOCMA-Antikörpern im IF in Zusammenhang mit Ag-Nachweis erlaubt Unterscheidung zwischen
V-Persistenz, -Immunität und -Latenz.


Behandlung/Prävention
Keine Therapie. Symptomatische Behandlung. Wenn möglich, von anderen Katzen im Haus trennen, wenn nicht schon zu spät!

FeLV Impfung

Immunität gegen FeLV wird primär über das Hüllprotein GP70 erreicht. Dies ist in rekombinanten Impfstoffen spezifisch produziert. Inaktivierte Virusimpfstoffe sind der Standard. Kulturüberstand-Impfstoffe enthalten nur lösliche Virusproteine. Die Impfung ist weitestgehend protektiv, wenn das Tier noch nicht infiziert ist.


Immunologie
Immunsuppression
FeLV ist extrem immunsuppressiv. Dies beruht auf der Zerstörung von Lymphozythen bzw. auf deren Funktionsunterdrückung und der Bildung enormer Mengen an Immunkomplexen, welche die Glomerulonephritiden auslösen.


T-Zelldefekte
Die Lymphopenie beruht auf dem Verlust hauptsächlich von CD4+T-Lymphozythen. Anfänglich fallen auch die CD8+ Zellen, erholen sich aber nach einiger Zeit. B-Zellen können auch reduziert sein, dies beruht aber eher auf dem Vorhandensein sekundärer Infektionen. Durch den T-Zellverlust kommt es zur Reduzierung der zellvermittelten Abwehr.

Die übrigen T-Zellen zeigen eine reduzierte Aktivität bzw. Aktivierbarkeit (z.B. mit ConA). Dies liegt wahrscheinlich am Hüllprotein P15e, das in großen Mengen von untergehenden Zellen produziert wird und die Immunreaktion auf FOCMA unterdrückt, die Lymphozythen-Blastogenese einschränkt und IL-1 und IL-2 Stimulierung der T-Lymphozythen abblockt. Außerdem werden die Stammzellen des Knochenmarks deaktiviert, was zu einer nicht-regenerativen Anämie führt.

FeLV-infizierte Katzen produzieren überhaupt weniger IL-2 ,was besonders markant bei Leukämie und Lymphosarkomen im Thymus ist. Dies prädisponiert zu sekundären Erkrankungen wie FIP, Hämobartonellose, Toxoplasmose, Septikämien und Pilzerkrankungen.


B-Zelldefekte
Normalerweise ist die B-Zellaktivität FeLV-erkrankter Katzen nicht gestört. Daher werden auch große Mengen an Antikörpern gegen zirkulierende Viruspartikel bzw. deren lösliche Ag's gebildet, was zu Immunkomplex-Bildung führt. Glomerulonephritis ist die Folge.

Wenn sich virales Ag an Erythrozyten bindet, kann dies zu schwerer hämolytischer Anämie führen. Die entstehenden Immunkomplexe stimulieren dann das klassische Complementsystem, was dessen Auslaugung hervorruft. Solche Katzen haben also nur wenig hämolytisches Complement, was u.a. wohl die Abwehr von Tumorbildungen reduziert.

 

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